Pizzo d'Uccello 20.09.2008 PDF Drucken E-Mail
Benutzerbewertung: / 4
SchwachPerfekt 

Pizzo d'Uccello

Man hat uns empfohlen die Apuanischen Alpen zu besuchen, scheinbar sollten diese noch viel schöner als die Dolomiten sein. Als gut erzogene Leute, haben wir sie natürlich nicht gleich ausgelacht, sondern nur verwundert um nähere Einzelheiten gefragt, und so haben wir auch unser Ziel ausgewählt, der Pizzo d’Uccello. pizzo duccello.jpgWir sind von Viareggio gestartet, über Massa und Carrara, und schon bald führten uns die schmalen Straßen höher hinauf über sehr schöne Pässe Richtung Vinca. Die Gegend ist wirklich bezaubernd, die Straßen führen weit ins Landlinnere und zu sehen bekommt man nur weite Hügellandschaften bedeckt mit wilden Laubwälder und irgendwo mittendrin ein kleines Dorf mit vielleicht 10-15 Häusern. Da fragt man sich wirklich was diese Leute hier verloren haben, und wie sie überhaupt hierher gefunden haben. Kurz vor Vinca, nach 2-3 stundigen Fahren sind wir an einem Dorf angelangt, die Straße wurde immer schmäler und die Häuser rückten immer näher zusammen, am Ende fehlten wirklich nur mehr 1-2 cm pro Seite. Hätten wir ein größeres Auto gehabt, wären wir zur Umkehr gezwungen worden, was natürlich weitere 4-5 Stunden bedeutet hätten. Wahrscheinlich ist das das Erste mal gewesen, wo ich mir kein größeres Auto gewünscht habe. Die Autos sind demzufolge auch das Markenzeichen dieses Dorfes, sie sind alle schmäler als die Normalen.
In Vinca angelangt schaut man sich natürlich mal ein bisschen um, gewaltig in welchen Bruchbuden heutzutage Leute noch leben können. Auf dem Dorfplatz, wenn man es so nennen will, gibt es ein kleines Geschäft, dort bekommen die Einwohner eine beschränkte Auswahl an Lebensmitteln und täglich frisches Brot, und das ist schon alles was sie an Luxus haben.
Rechts von Vinca führt dann eine Straße im Wald hinein, wir sind diese bis an ihr Ende gefolgt und dort unser Zelt aufgeschlagen. Als es dunkel wurde und wir schon im Zelt lagen wurde es dann wirklich spannend. Was davor als ruhiger Platz aussah, wurde jetzt zur Metropole für die Waldtiere. Durch die ganze Nacht wurden wir von den Gejammer verschiedener Vögel, oder was auch immer das waren, vom ständigen Geräusch von Schritte und Tritte, knacksende Aste und rollende Steine begleitet. Uns war beide nicht sehr wohl in diesem Zelt, auch wenn ich es natürlich nicht zugeben durfte.

Am nächsten Tag sind wir ziemlich spät aufgebrochen. Gemütlich sind wir über den Wald hinauf, durch die verlassenen Weidewiesen hindurch bis zum Einstieg. Ausgesucht haben wir eine für uns ziemlich schwierige Route im mittleren Felsteil, und als Fleißarbeit haben wir noch im unteren und im oberen Teil jeweils eine hinzugefügt, mimo klettern.jpgund somit immerhin auf 12-13 Seillängen gekommen. Große Gedanken haben wir uns dabei nicht gemacht, da im unteren und mittleren Teil die Route alle 2-3 Meter mit Spits abgesichert sind, und im oberen Teil alle 5 - 10 Meter, außerdem gibt es genügend Abseilstellen im Falle eines Abbruches.
Wie man dann einsteigt verliert man jegliches Zeitgefühl, man konzentriert sich nur mehr auf das Klettern und versucht mögliche Fehler zu vermeiden. Eher langsam haben wir uns über die ersten zwei Routen hinaufgearbeitet, und beim Ausstieg aus der mittleren Führe war es auch schon ziemlich spät. Trotzdem haben wir entschlossen weiter zu klettern um auch die Letzte zu machen. Diese stellte sich aber als die schwierigste und spannendste aus. Sie war nicht mehr so gut abgesichert, ab und zu fand man wieder ein Spit, was die Moral wieder etwas stärkte, ansonsten war hie und da ein Haken, die man allerdings mit der Hand in- und ausziehen konnte, der Fels war brüchig und ziemlich ausgesetzt. Danach mussten wir noch 250 hm zu Fuß auf dem Gipfel um dort von der anderen Seite über dem Normalweg absteigen zu können.

Die Sonne war schon längst untergegangen. Wir mussten uns beeilen. Wir konnten schon erahnen was uns noch im unteren Teil zuvor stand. Wir eilten über den Weg hinunter, zuerst war er noch markiert und erkennbar, aber bald sah man von alldem nichts mehr. Plötzlich schaute das ganze Gelände identisch aus. Wir konnten zwar die Richtung, in die wir gehen mussten, abschätzen, aber genau wie weit nach rechts oder nach links wussten wir natürlich nicht. Ab und zu kamen wir wieder zu kleineren Wegen, die sich aber alle wieder auflösten. Es wurde immer düsterer, erkennen konnten wir nur mehr die Umrisse der Berglandschaft, wir stolperten über Gebüsche und Rampen hinunter bis wir im Wald ankamen. Laut Höhenmesser mussten wir noch 300 hm absteigen, sehen konnte man jetzt im diesem dichten Laubwald gar nichts mehr. Mit dem Handy machten wir uns ein bisschen Licht, aber wir mussten so viel es ging die Batterie schonen, weil sie schon fast leer war. Das Schlimmste war einfach das man nicht sehen konnte was beim nächsten Schritt auf uns zukam. Es war so stockfinster und die Sträucher waren dermaßen dicht, dass man einen Felsabbruch oder sonst irgendwelche Gefahren in einem halben Meter Entfernung nicht hätte sehen können. Als uns dann noch Wildschweine einen kleinen Besuch abstatteten, war es endgültig vorbei mit lustig. Zum Glück konnte man sie nicht sehen, aber man hörte sie ständig herumlaufen. Sie mögen ja ganz nette Viecher sein, aber wenn man keine Ahnung hat wie sie reagieren, oder wie man selber reagieren sollte, bekommt man schon ein mulmiges Gefühl. Ich spielte auch schon mit dem Gedanken, einfach auf einem Baum zu klettern und bis zum nächsten Tag abzuwarten. Wäre aber eine solche Geschichte ans Tageslicht gekommen, wäre ich zu Hause monatelang ausgelacht worden, deswegen kam dieser Ausweg nicht in frage. Wir mussten uns einfach nur Schritt für Schritt nach unten tasten und hoffen bald auf irgendein freundlicheres Terrain zu gelangen.

Nach über einer Stunde harter Kampf mit jeglicher Art von Gebüsch und Stauden sind wir endlich auf einem Waldweg angelangt. Von den Wildschweinen war jetzt auch nichts mehr zu hören. Wahrscheinlich haben sie uns jetzt mittlerweile akzeptiert, weil vom Aussehen her zwischen uns kein großer Unterschied mehr sein konnte. Heil froh sind wir dann gegen halb elf beim Auto angelangt. Beide sind wir uns gleich einig gewesen diese Nacht nicht mehr im Freien zu verbringen. Im übernächsten Dorf haben wir auch sofort ein Gasthaus gefunden wo wir übernachten konnten, und man hat uns sogar noch trotz später Stunde was zu Essen angeboten. Ohne lange zu zögern haben wir die Einladung sehr gerne angenommen und damit diese schöne und spannende Bergtour mit einer Wildschweinschnitzel und gutem Wein abgeschlossen.

 

Fotos Pizzo d' Uccello

Google Map Pizzo d'Uccello

Fotos Kletterwoche Toskana

Google Map Toskana

 

Trackback(0)
Kommentare (0)Add Comment
Kommentar schreiben
 
  kleiner | groesser
 

busy
 
Banner
Banner