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Die Aguglia ist das Kletterwahrzeichen Sardiniens, ein zirka 150m hohes, spitziges Felsturm, der in einer der schönsten Buchten Sardiniens in die Höhe ragt. Ich denke dass jeder der diese Felsnadel einmal gesehen hat, und ein minimales Interesse für das Klettern aufbringt, einmal im Leben dort oben stehen will.
Genau so ist es auch uns voriges Jahr ergangen: zuerst haben wir von Freunden davon gehört, dann haben wir uns Bilder angeschaut und die verschieden Routen studiert, und schließlich haben wir nicht die Mühe gescheut, den ziemlich weiten Weg durch die enge und tiefe Schlucht zur Cala Golorizé zu gehen, um uns dieses Spektakel anzusehen. Nur zu schade dass wir für eine Besteigung eher zu schwach waren, und es somit für uns nur einen Traum blieb. Wir haben uns aber geschworen zu trainieren und beim nächsten Besuch so fitt zu sein, dass wir diesen 6c knacken würden. Dieses Versprechen haben wir aber nur teils eingehalten: wir sind zwar zurückgekehrt, aber haben nicht genug trainiert um problemlos diese Wand zu durchsteigen. Nach langem hin und her diskutieren, ob wir es trotzdem wagen sollten, da die Route sehr gut mit Bohrhaken eingerichtet ist und ein auch ein Rückzieher zu jederzeit möglich ist, oder ob wir es trotzdem um ein weiteres Jahr verschieben sollten, und beim nächsten Mal den Aufstieg sauber und genussvoll zu schaffen. Schweren Herzens haben wir uns schließlich wiederum entschieden die Besteigung um ein weiteres Jahr zu verschieben. Ein paar Tage später, als wir eines Vormittages in einer Wand hingen, und ich wiederum nicht wusste wie ich meinen Express herunterkriegen sollte, kam ein Par aus Südtirol zur Hilfe. Christian und Ulrike, die ebenfalls ihren Urlaub auf Sardinien verbrachten und eine Vorliebe für das Bergsteigen hatten. Wir haben uns eine Weile unterhalten, und nach langem hin und her diskutieren sind wir draufgekommen, dass wir alle den gleichen Wunsch hatten: die Aguglia zu bezwingen. Christian erzählte uns von einer neuen und leichteren Tour, die im Führer noch nicht eingetragen ist. Er hat uns überredet diese Route gemeinsam zu probieren und in Not uns aus der Patsche zu helfen. Natürlich waren wir sofort dabei und haben gleich für den nächsten Tag ausgemacht. Am nächsten Tag sind wir dann gemeinsam nach Baunei gefahren und zu Fuß unter der strahlenden Sonne durch die Schlucht hinunter bis am Fuße der mächtigen Wand. Zwei Österreicher waren knapp vor uns eingestiegen, ansonsten aber war niemand um die Wege. Nach kurzem Herrich ten sind Christian und Ulrike als erste eingestiegen, und wir bald darauf. Die erste Seillänge hatten wir bald hinter uns, schöne und feste Griffe erleichterten uns den Weg nach oben. Bei der zweiten Seillänge wurde die Schwierigkeit schon deutlich größer, ein kleiner Überhang bildete eigentlich die Schlüsselsteller der gesamten Tour. Auch die 3. Seillänge hatte eine technisch schwierige Passage, aber nach dessen Überwindung wurde es wieder leichter, für den Rest der Tour. Nicht einmal die erdrückende Hitze dieser Tage konnte uns aus der Fassung bringen, da die gesamte Tour, bis auf die letzte Seillänge, den ganzen Vormittag im Schatten liegt. Am Gipfel angekommen waren wir alle von Freude überfüllt. Echt wahnsinnig wie spitzig diese Felsnadel ist: wir standen zu viert darauf und recht viel Platz blieb nicht mehr übrig.
Eine weile haben wir das tolle Panorama rundherum genossen, hinunter zu den winzig erscheinenden Menschen auf dem Strand gestarrt, und gestaunt wie die Boote ihren Schatten durch das türkisfarbene Wasser dem Meeresboden spendeten. Mit einem 70 m Seil haben wir dann die Talfahrt über die „Sole incantatore“ angetreten Die Abseilstellen sind perfekt eingerichtet und nach fünf mal abseilen landet man auch schon auf festem Boden. Jetzt war alles erreich was ich mir vom Urlaub gewünscht habe, jetzt konnten sie mich sogar überreden ins Wasser zu gehen……aber nur bis zu den Knien!!!!
Finale Ligure - Sardinien
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